Die Rosen

Die Rose gilt den Menschen als ein Geschenk  der Götter, ihre verschwenderische Schönheit und ihr betörender Duft führte dazu, dass sie bis in weit zurückliegenden Zeiten deren Sinne, Gefühl und Phantasie anregte. Vermutlich wurde die erste Rose bereits 2700 v. Chr. in chinesischen Gärten gezogen. In den Schriften von Konfuzius (551 – 479) ist von umfangreichen Rosenpflanzungen in den kaiserlichen Gärten in Peking die Rede. In vorchristlicher Zeit waren Rosen in den Gärten der Mächtigen, vor allem im persischen und chinesischen Raum, weit verbreitet. Aus dem östlichen Mittelmeerraum gelangte die Rose durch griechische Siedler nach Rom, wo sie hoch angesehen war. Es gab kein Fest ohne grössere Deko-ration aus Rosen. Sowohl bei den Griechen, als auch bei den Römern waren die Rosen der Göttin der Liebe und dem Gott des Weines gewidmet. Rosen, Wein und Frauen gehörten zusammen. Durch die Römer gelangte die Edelrose in den mitteleuropäischen Raum, in der bis dato nur die Heckenrose be-kannt war. In der Landgüterverordnung „Capitulare de villis“ von Karl des Großen (742 – 812), in der die für die damalige Zeit wichtigen Kräuter und Nutzpflanzen aufgeführt sind, findet die Rose Erwähnung. Zwei Jahrhunderte später widmete Hildegard von Bingen (1098 – 1179) in ihrer „Physica“ dieser Blume ein ganzes Kapitel. In späteren Zeiten baute man die Rose in die Symbolik der christlichen Lehre ein. Seit dem 11. Jh. erlebte die Rose als religiöser Symbolträger eine langanhaltende Renaissance. 

In ihrem historischen, naturheilkundlichen Werk „Physica“ schreibt sie dazu:

 … Und wer jähzornig ist, der nehme die Rose und weniger Salbei und zerreibe es zu Pulver. Und in jener Stunde, wenn der Zorn ihm aufsteigt, halte er es an seine Nase. Denn der Salbei tröstet, die Rose erfreut.“ Physica 1-22

Damit beschreibt Hildegard auch zugleich, dass ein zorniger, wütender Mensch eigentlich Trost und Freude braucht! Eine trost- und freudlose Verfassung macht besonders anfällig für Wut und Zornesausbrüche.

Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Rosenblüten sind Gerbstoffe und ätherische Öle. Gerbstoffe besitzen die Eigenschaft, sich auf Oberflächen wie der Schleimhaut mit Eiweissen (Proteinen) zu verbinden. Und zwar unlöslich. Durch diesen Prozess verändern die Proteine ihre Gestalt/Struktur – sie denaturieren. In Folge bewirkt die Verbindung, dass sich die Gewebe zusammenziehen, was zu-meist als adstringierende Wirkung beschrieben wird. Diese Gerb-stoff-Protein-Reaktion bildet sich auf der Haut eine Schutzschicht, die Krankheitserreger abhält und Entzündungen verhindert.

Unterstützt werden die Gerbstoffe der Rosenblüten durch ihre wohl-duftenden ätherischen Öle mit den Hauptkomponenten Citronellol (20 bis 55%) und Geraniol (15 bis 40%). Sie können hemmend auf das Wachstum von Bakterien und Pilzen wirken.

Schützend und antientzündlich für Schleimhäute

Bei Rosenblüten denken wir zumeist an entspannende Düfte, Sinn-lichkeit und Romantik. Dabei können Rosenblüten auch ganz ratio-nal als pflanzliches Arzneimittel eingesetzt werden. Sie helfen nach-weislich gegen Schleimhautentzündungen im Mund- und im Rachen-bereich und das hat durchaus Gründe. Rosenblüten enthalten neben ätherischen Ölen jede Menge Gerbstoffe.

Während die ätherischen Öle, die Zellhülle von manchen Bakterien und Pilzen durchbrechen können und einen wachstumshemmenden Einfluss auf die Erbsubstanz der Mikroorganismen ausüben können, wirken die Gerbstoffe in erster Linie zusammenziehend.

Beim Genuss einer Tasse Rosenblütentee erkennt man den Gerb-stoffgehalt in den Blüten ganz leicht an einem leicht pelzigen Gefühl im Mund. Genau dieser Effekt ist bei Schleimhautentzündungen im Mund- und Rachenbereich erwünscht. Die „pelzige“ Oberfläche ent-steht, indem sich die Gerbstoffe der Rosenblüten mit den Schleim-hautproteinen verbinden. Dadurch fallen die Eiweisse aus und das raue Gefühl entsteht. Dieser Mechanismus bewirkt allerdings auch, dass eine Schutzbarriere gegenüber Krankheitskeimen wie Bakt-erien entsteht. Ihnen wird das Durchdringen durch die Barriere deutlich erschwert, so dass sich die darunter liegende Schleimhaut regenerieren kann und schliesslich abheilt.